Stufen der persönlichen Entfaltung

Die persönliche Entfaltung ist durch Prägungen und Anpassungen beeinträchtigt, bis zum richtigen Zeitpunkt, um das wahre ‘ich’ zu entdecken.

Die ersten Prägungen sind nachhaltig

Die direkte Familie hat die besten Absichten, dem Kind Gutes zu tun, es aufzuziehen, und entsprechend der eigenen Vorstellungen ‘richtig’ zu erziehen. Diese Vorstellungen von ‘richtig’ wurden bereits über mehrere Generationen weitergegeben.  

Das Kleinkind nimmt alle Informationen durch genaue Beobachtungen auf, wie die Eltern funktionieren, wie sie miteinander umgehen, was sie sprechen, wie sie Dinge  tun und bemüht sich, all das genau nachzumachen. Bis zum Alter von 5-6 Jahren kann ein Kind noch nicht reflektieren und übernimmt ganz genau das vorgelebte und beobachtete Verhalten, die Sprache, die häufig gehörten Aussagen. 

Was ein Kind in seinem Umfeld, seiner Familie, erlebt, wird auch sein Verhaltensmuster, das sich zu seinem individuellen Selbstverständnis festigt – der familiäre Umgang ist warmherzig und liebevoll;  oder das Kind wird nur mit dem nötigsten versorgt;  oder es herrscht willkürliche Aggression, oder …

Alle Einflüsse und Anpassungen hinterlassen bleibende Prägungen, die das Denken und das Verhalten des Kindes bestimmen und möglicherweise das ganze Leben gelten. Denn das, was Mamma/Papa, Oma/Opa und die Lehrer vorgelebt, gesagt und getan haben, ist ganz tief verwurzelt. 

Die Sozialisierung 

Später, im Kindergarten und in der Schulzeit, findet die Sozialisierung, die Anpassung an die vorherrschenden gesellschaftlichen Normen und Werte. 

Die Wahrnehmung und die Reaktion von Kindern auf die Vorbilder und die vorgelebten Verhaltensmuster können sehr unterschiedlich sein. Hier ein Beispiel, dass ich über einige Jahre verfolgen konnte: 

Eine Bekannte, Mutter von zwei Kindern, hat ihre Kinder dauernd in einem aggressiven Ton zurechtgewiesen, mehr noch angegiftet: ‘ja bist du blöd, schau an, was du da angerichtet hast …’ 

Das Mädchen war jedes Mal sehr betroffen und hat sich danach bemüht, die Gunst der Mutter zurückzugewinnen. Ihre Prägung ist:  “ich bin nicht ok, dumm und unfähig”, das sich später als schwaches Selbstwertgefühl manifestierte. 

Der Junge war kurz auch betroffen, wurde dann zunehmend zornig und gab lautstark die Schuld für sein ‘Vergehen’ der Mutter und schlug die Türe hinter sich zu. Seine Prägung ist: “ich bin ok und die Anderen sind Schuld”,  was sich später als fehlendes Verantwortungsbewusstsein dargestellt hat.  

Erweiterung der Erfahrungen 

Im jungen Erwachsenenalter, während der Ausbildung und später im Beruf, findet eine Erweiterung des Horizonts, durch das Auftreten neuer Einflüsse und Vorbilder, statt. 

Erst die Anpassungen an verschiedene neue soziale Strukturen und die Ansammlung von Erfahrungen ermöglichen Vergleiche und Abwägungen und führen zu eigenen Reflexionen: ‘wer bin ich – wie/wer will ich sein/werden’.  

In der Lebensphase ist nicht viel Zeit, für derartige Überlegungen,  denn die verschiedene großen Herausforderungen und Veränderungen stehen an, oft zeitgleich: 

  • der Aufbau der beruflichen Karriere, 
  • die Konsolidierung des finanziellen Status,
  • die Etablierung des sozialen Umfeldes, 
  • die Gründung einer eigenen Familie, 
  • die Verantwortung für eigene Kinder.  

So kommt es, dass im Selbstverständnis sehr vieler erwachsener Menschen die Prägungen, Denk- und Verhaltensmuster aus der frühen Kindheit immer noch gelten und weiterhin wirken. Einige Prägungen sind hilfreich, andere sind behindernd, wieder andere sind erst gar nicht bewusst und funken trotzdem bei jeder Gelegenheit dazwischen.  

Die Aufarbeitung von Altlasten kommt erst später 

Bis jetzt ist das eigene ‘ich’ noch weitestgehend durch alle Prägungen und Anpassungen verborgen.

Darum beginnen Menschen erst in der Mitte des Lebens, ernsthaft über sich selbst, ihr Leben und ihre eigene Weiterentwicklung zu reflektieren, nachdem sie viele verschiedene Erfahrungen gesammelt haben und reifer geworden sind. Jetzt ist die richtige Zeit das eigene ‘ich’ zu erkunden und aufzuwecken.  

Wenn du bereit bist und den Mut hast an deiner eigenen Entfaltung und für dein eigenes Wohlergehen zu arbeiten, ist jetzt der richtige Zeitpunkt, eine professionelle, kompetente und neutrale Begleitung einzubeziehen.  Melde dich – dann geht es schneller und ist einfacher. 

Bleib ausgeglichen und zuversichtlich.   

Gruß, Eva Beldiman